Official World Championships of Skateboarding & Streetleague Final in Rio 2018

Wer sich in den letzten Jahren ein wenig intensiver mit Skateboarding auseinander gesetzt hat, kann es sicher nicht mehr hören: Olympia wo man hinschaut. Da gibt es alles: Leute, die es tolerieren, die die es als Chance sehen und die, die es kritisieren. Am Ende ist doch auffällig, dass egal wieviel man liest und hört, man so gar nicht mehr so recht über Skaten an sich spricht. Die eine Seite verflucht die Anti Doping Regeln und die Andere sieht eine neue, stabilere Zeit für Skaten kommen. Doch um den Contest und nichts anderes wird Olympia sein, wird wenig gesprochen. Nun denn, sagen wir es mal so. In Rio haben wir die Generalprobe gesehen: Format, Regelwerk, internationale Teilnehmer usw.. Und eins vorweg – es war verdammt spannend.

Streetleague kennen die meisten. Dieser Contest, wo gefühlt immer die gleichen US-Amerikaner gewinnen, wo in irgendeinem Stadion auf einem blitzblanken Park gefahren wird und man jedes Augenzwinkern sofort erkennen kann, denn überall sind Kameras. Ich finde es schon ganz schön abgefahren, wo diese Idee, die Rob Dyrdek damals hatte, die allgemeine Skate Contest Qualität hingebracht hat. Zumal wir in Europa ja ganz andere Format gewohnt sind, wie z.B. den COS Cup oder den Mystic Cup Prag. Ausgerechnet SLS ist jetzt also Veranstalter der Weltmeisterschaft geworden und nicht nur das, sondern der ersten „offiziellen“ Weltmeisterschaft und das mit Stempel und Siegel von der World Skate Organisation.

Als ich losgefahren bin, habe ich insgeheim gehofft, dass es so wird wie damals in Münster, beim Münster Monster Mastership. Das war vor vielen Jahren mal die Weltmeisterschaft – ohne Stempel und Siegel – aber mit unfassbar viel Spaß und einer guten Spur Wahnsinn. Der Flug dauert über Paris ungefähr 14h und wenn man in Rio landet, landet man auf einer Insel mitten in der Bucht von Rio, was irgendwie schon auch abgefahren ist. Benommen vom Flug stolpert man aus dem Flieger und wie es so ist: Wo ist ein Taxi? Also dann noch mal eine Stunde später kommt man in seinem Hotel an. Eines von den dreien, in dem die ganzen Teams untergebracht wurden und in dem ich auch sein durfte. Um dahin zu kommen fährt man auf einer 4 spurigen Straße mitten durch Rio durch nach Barra und landet im ehemaligen olympischen Bezirk von Rio, vorbei an Favelas und Comunidades, Hochhäusern und eingezäunten Miniskateparks.

Ein paar Fakten, Zahlen und Eindrücke

Jet Lag und Co haben bei mir diesmal nicht so zugeschlagen: Es sind auch nur drei Stunden Zeitunterschied. Also habe ich mich schnell ins Foyer begeben und mich mit dem Team Germany zu treffen. Der Präsident Aracu von World Skate war auch da und man hatte gleich viele Dinge zu besprechen. Vor allem: Über 40 Länder haben ihre besten zwei Skater/ Skaterinnen geschickt. Die meisten mit ihrem Teammanager, Coach, Trainer oder wie auch immer der sich dann nennt – also so jemanden wie Jürgen Horwarth gibt es in jedem Land. Worauf ich allerdings auch schon ganz heiß war: Wie sieht denn nun der Park aus? Und zum Glück war ich nicht alleine, denn Präsident Aracu und Skateboard Manager Luca Basilico wollten den auch sehen.

Kurzum, mit dem richtigen Badge ausgerüstet, sind wir dann in die Arena Carioca 1 gefahren, wo die Arbeiten noch im vollem Gange waren. Spannend mal zu sehen, was California Skateparks dort in einer Woche und mit über 400t US Dollar Budget auf die Beine gestellt haben. Ein paar Obstacles waren schon fertig und ich habe mich schnell aufs Brett gestellt und bin mal umhergepusht. Kurzum: so toll wie es aussieht, ist es dann leider nicht wirklich: Der Boden ist sehr stumpf und rau und die Quarter war eher eine Bank. Achtung Spoiler: Deswegen hat man an ihr auch wenig Tricks gesehen, denn selbst Top Skater konnten das Biest kaum fahren.

Der Contest und das Drumherum

Über den Contest habt ihr auf unseren Social-Media-Kanälen bereits viel erfahren und wir vom Skateboard e.V. Hamburg haben versucht euch dort immer auf dem Laufenden zu halten. Deswegen möchte ich lieber noch ein paar Worte zum Drumherum verlieren. Mein Urteil ist ganz eindeutig: Das war einfach Weltklasse. Die Weltmeisterschaft mit all ihren Regeln ist eine Welt für sich. Aber die Tatsache, eine Woche zu haben, wo sich die Top Contest Skater der Welt treffen und miteinander Spaß haben, miteinander diskutieren und skaten, stellt eine Bereicherung für die weltweite Skate Szene dar. Meine persönlichen Highlights waren das Team aus Jamaica – was wir alle auch nur Team „Lebensfreude“ genannt haben. Steve Douglas, der Team Manager und die gute Seele, war nicht ein Tag ohne Grinsen zu sehen und sein Team war glücklich, endlich mal einen richtigen Skatepark fahren zu können.  

Den ersten Contest überhaupt hat das türkische Team mitgemacht. Die waren so was von motiviert, da hat man Gänsehaut bekommen. Eigentlich waren alle ganz groß, aber man hat ja so seine Lieblinge wie z.B. die Kanadier oder die Finnen, die Franzosen und die…. 

Es war nicht ganz so Punk und Wahnsinn, wie damals in Münster, aber es war jeden Abend bis in die Morgenstunden 100% Skateboarding. Doch einen Zahn muss man dien Streetleague Leuten ziehen: Sie sind bei weitem nicht das größte Skateboard Event der Welt, da muss man die Ehre lassen wem sie gebührt: das war damals wie heute der Mastership in Münster. 

Was es sonst noch so gab

Neben dem Qualifications und dem Contest selber war Rio natürlich eine Attraktion für sich: Ob alleine, in einer kleinen Gruppe, mit seinem Team oder mit neuen Freundschaften – jeder ist irgendwie losgezogen und hat versucht, am Abend, die Stadt und die Kultur für sich zu entdecken. Lea Schairer, als Vegetarierin, hatte dabei das schwerste Los gezogen, denn die brasilianische Küche kennt kaum vegetarische Gerichte oder wir haben sie nicht gefunden.

Abends wurde bis spät gegessen und draußen gesessen und es ist im Januar Hochsommer und selten unter 37 Grad warm. Man sollte auch immer unbedingt Wasser dabeihaben, denn in vielen Ecken und Stadien ist es nicht selbstverständlich, dass man Trinkwasser bekommt. Neben den touristischen Attraktionen wie dem Christo, dem Zuckerhut, dem Ipanema und der Copacabana wollten wir auf jeden Fall auch einen halben Tag mit dem Team an den Strand und eine Kokosnuss trinken. Das macht man am besten an einen der westlichen Strände. Die sind sehr schön und nicht gefährlich und mit ein wenig Glück kann man dort auch Surfen. 

Fazit

Wir haben nun also ganz offizielle Weltmeister in Skateboarding. Wir haben dafür auch ein Bewertungssystem, wir haben Skater, die da Spaß dran haben und wir haben auch Leute, die das alles organisieren: Aber sind wir jetzt Sportler oder Skater?

Das war eine Frage, die wir uns immer wieder gestellt haben und wo wir in Rio sicher ein Stück weitergekommen sind. Skaten war schon immer auch Wettbewerb, sich mit anderen Messen und in einer Welt die so vernetzt ist, die so klein geworden ist, macht es den Skatern, die in Rio waren, auch einfach Spaß, sich gegenseitig herauszufordern.

Es geht dadurch nichts an der kreativen Power des Skateboardings verloren, es gibt für uns auch keine Einschränkungen. Es ist einfach eine kleine eigene Welt in der sich ein paar hundert oder tausend Skater bewegen wollen. 

Wichtig ist und das ist uns allen klargeworden: Im Foyer, am Salatbuffet oder auch als Touristen in der Stadt – wir sind immer noch die verspielten Typen, die stundenlang über Tricks, Spots und Style diskutieren – und das ist auch gut so. 

Autor/ Fotos: Shiran Habekost

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